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KIWIS Ursprünglich stammt die Kiwipflanze ( Actinidia chinensis) aus China und trägt die Bezeichnung " Chinesische Stachelbeere". Als anfangs 20. Jahrhunderts Samen von China nach Neuseeland gelangten, begann der Siegeszug der aromatischen Frucht rund um die Welt.
Die Neuseeländer selektionierten aus den Sämlingen grossfruchtige, äusserst schmackhafte Sorten ( Actinidia deliciosa), die sich zudem gut für den Transport eignen. 1940 entstanden die ersten Plantagen. Damit sich die als " Chinese Gooseberry" bekannte Frucht besser vermarkten liess, taufte sie ein cleverer amerikanischer Importeur kurzerhand " Kiwi", den Namen des in Neuseeland beheimateten Laufvogels. Aus rund 30 bekannten chinesischen Stachelbeeren sind inzwischen zahlreichen Sorten entstanden. In Weinbaugebieten und geschützt an Hausfassaden gedeihen sie problemlos auch in unseren Breitengraden. Die meisten Kiwisorten sind zweihäusig: ohne männliche Pflanze für die Bestäubung wachsen an der weiblichen keine Früchte. Ein Männchen reicht jedoch für ein" Harem" von sechs bis acht weiblichen Pflanzen. Ab dem fünften Vegetationsjahr kann man pro Pflanze etwa 30 Kilo oder mehr Kiwis ernten, und zwar im Oktober von Hand oder mit einer Schere.
Tricks für schnelle Reife Aus Transportgründen kommen Kiwis meist hartfruchtig in den Handel. Im kühlen Keller oder im Gemüsefach des Kühlschranks lassen sich Kiwis während mehrer Wochen aufbewahren. Sie entfalten ihr volles Fruchtaroma aber erst, wenn die Schale auf leichten Fingerdruck nachgibt. Dazu müssen die meist leicht behaarten, braunschaligen Früchte bei Zimmertemperatur gelagert werden. Beschleunigen kann man den Reifenprozess mit einem Apfel, den man zusammen mit einigen Kiwis in einem dichten Plastikbeutel packt und diesen mit einer Wäscheklammer möglichst luftdicht verschliesst. Der Apfel gibt Äthylengas ab, das die Kiwis innerhalb von wenigen Tagen reifen lässt.
Köstliches Fitnesspaket Die erfrischend mild-säuerlichen Kiwis sind wahre Fitnesspakete: 100 Gramm enthalten rund 150 Milligramm Vitamin C. Zwei mittelgrosse Früchte decken damit leicht den empfohlenen Tagesbedarf für Erwachsene von 100 Milligramm Vitamin C. Kiwis enthalten aber auch reichlich Kalium ( 260 mg pro 100 Gramm), zudem Kalzium, Magnesium und Phosphor. Mit lediglich rund 40 Kalorien pro 100 Gramm essbarem Anteil sind Kiwis auch schlankwegs ausgesprochen gesund. Zum Verzehr schält man die Früchte und schneidet sie in Scheiben. Oder man halbiert sie und löffelt das smaragdgrüne Fruchtfleisch samt den winzigen, schwarzen Kernchen aus. Das Aroma ist eine exotische Mischung aus Melonen, Stachelbeeren, Bananen und Trauben. Kiwis machen aber auch Fleisch zart: sie enthalten ein Eiweiss spaltendes Enzym, das Actinidin. Weniger zarte Fleischstücke deshalb vor dem Braten mit einer frischen Kiwihälfte einreiben und den Saft vor der Zubereitung einige Minuten einwirken lassen. Zusammen mit Milchprodukten entwickelt das Actinidin Bitterstoffe. Deshalb sind Kiwistückchen im Birchermüsli oder zusammen mit Rahm fehl am Platz. Bei der industriellen Herstellung von Kiwi-Joghurt werden die Früchte zuerst blanchiert, um die Wirkung des Enzyms abzubauen.
Robuste Schlingpflanze Abgesehen vom gesundheitlichen Wert und dem köstlichen Geschmack der Kiwis spricht auch die Pflanze für den Anbau im Hobbygarten: Der attraktive, links windende Schlinger kennt weder Schädlinge noch Krankheiten. Mit ihren handgrossen, sattgrünen Blättern beschattet die Schlingpflanze im Sommer mit ungestümen Wuchs Pergolen oder auch öde Hausfassaden und Autounterstände. Sie erreicht spielend bis zu fünf Meter Höhe und wächst auch kräftig in die Breite. Ab Mai bis Juni öffnen sich weisse, duftende Blüten. Die Kiwis sitzen an den Verzweigungen, die jeweils beim Schnitt der Triebe entstehen. Zudem werden die Früchte grösser, wenn die Pflanze nicht zu viel überflüssiges Blattwerk ernähren muss. Im August, wenn die Kiwis gut baumnussgross sind, schneidet man den Zweig sechs Blätter oberhalb der Früchte ab. Bei der männlichen Pflanze bleibt ein kräftig ausgebildeter Trieb stehen, alle anderen können bei Platzmangel eingekürzt werden.
Kiwis in Varianten Bei den grossfruchtigen Kiwis macht seit kurzem eine gelbfleischige Sorte Furore: Sie wird als "Kiwigold" oder "Goldkiwi" vermarktet. Ihre Schale ist nur leicht behaart, ihr leuchtend gelbes Fruchtfleisch von delikatem, etwas süsslicherem Geschmack als die bekannten grünfleischigen. Neuerdings sind auch kleinfruchtige Kiwis mit der botanischen Bezeichnung Actinidia arguta im Angebot. Die Sorte "Maki" hat rote, ca.3 cm grosse Früchte, "Ambrosia" solche mit grünen. "Issai" trägt 2 bis 3 cm kleine, grüne, unbehaarte und glattschalige Kiwi. Sie alle sind aromatisch und süss, im Oktober erntereif und können ohne Lagerung direkt von der Pflanze mitsamt der Schale genossen werden.
Pflanzung und Pflege Beste Pflanzzeit ist ab Mitte April bis spätestens im September, damit die Kiwi noch vor dem Wintereinbruch gut anwachsen können. Man setzt sie an einem möglichst geschützten Platz in humosen Erde ohne Staunässe. Der Abstand beträgt zwischen weiblichen Pflanzen gut drei Meter, zu den männlichen ein bis zwei Meter. Pflanze gleich tief in die Erde setzen, wie sie in der Baumschule gewachsen ist. Gut giessen und die Erde mit einer Mulchschicht aus halbverrottetem Kompost abdecken. Als Kletterhilfe eignen sich ein Holzspalier oder gespannte Drähte, der unterste rund 50 cm über dem Boden. Wenn sich die Blüte öffnen, benötigt die Pflanze reichlich Wasser und Nährstoffe in Form von Kompost oder organischer Volldünger Nach dem Blattfall im Winter wird der sogenannte Erziehungsschnitt durchgeführt: Die Pflanze so schneiden, dass sie ein gutes Spalier bildet. Die Seitenarme an gespannte Drähte binden, welche die Kiwi als Kletterhilfe benötigt und selbst umschlingt. |
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© Rolf Haldi Gartenbau + Gestaltung / Letzte Änderung: 24.3.2006 |